Einige Pressestimmen

Gäubote, 16.10.2002

Lieder des Mittelalters und der Renaissance:
Les Bouffons in der Kappel

Beim Konzert des Tübinger Ensembles "Les Bouffons" am Sonntag in der
H o r b e r Liebfrauenkirche hatten eigentlich nur noch historische Kostüme
gefehlt, um den Eindruck eines mittelalterlichen Minnesänger-Auftritts zu
vervollkommnen. Das Konzert mit Musik des 13. bis 16. Jahrhunderts,
das im Rahmen des 650. Geburtstags der Katholischen Spitalstiftung Horb
veranstaltet wurde, passte wunderbar in das Ambiente der Kappel.
Ekkehard Schulz-Kurz (Laute, Blockflöten und Schlagwerk),
Patrick Tröster (Blockflöten, Pommer, Traversflöte und Krummhorn),
Josef Wagner (Blockflöten, Traverse, Schalmei und Krummhorn) und die Mezzosopranistin Burga Schall begeisterten nicht nur durch ihr selten gehörtes Instrumentarium, sondern vor allem durch die enorme Vielfalt ihres Programms: Liebeslieder, mittelalterliche Tänze, sakrale Werke wie Prozessionslieder, italienische, lateinische und französische Stücke, das für Rock-Fans als Intro der Potsdamer Mittelalter-Metaller Subway To Sally bekannte "Alle, psallite cum luya" oder improvisierte Werke der Renaissance, die in dieser Zeit den Bekanntheitsgrad von Boygroup-Liedchen batten.
Allerdings brauchte man Zeit, um sich in die Musik von Les Bouffons" einzuhören; immerhin stammten die Werke dank weniger genau stimmbaren - meist hölzernen - historischen Instrumenten für moderne, hamoniebedürftige Ohren nicht gerade aus dem Easy-Listening"-Bereich. Wer sich eingehört hatte, ließ sich aber schnell begeistern
von den originellen - meist ruhigen, oft aber auch fetzigen - Klängen der Instrumentalisten und der schönen Stimme von Burga Schall.

Text und Bild: vov

Schwarzwälder Bote, 15.10.2002

Romeo klagt sein Liebesleid
»Les Bouffons« zelebrierten Jubiläum der Spitalstiftung

Von Stefanie Daly

Horb. Bereits im vergangenen Jahr waren sie bei den Horber
Ritterspielen aufgetreten. »Les Bouffons«, die sich während des
Studiums in Tübingen kennen lernten, setzen sich intensiv mit mittel-
alterlicher Musik auseinander.
Unter dem Titel »Madonna mia pieta...« gaben »Les Bouffons« am
Sonntag ein außergewöhnliches stimmungsvolles Konzert mit
mittelalterlichen Klängen. Anlass war das 650-jährige Jubiläum der
Katholischen Spitalstiftung Horb. Mit ungewöhnlich anmutenden
Instrumenten wie die Schalmei, das Krummhorn, die Traverse oder der Pommer trugen die drei Musiker zu einer ganz besonderen Atmosphäre bei, die durch die elegante Stimmvariation von Burga Schall noch intensiviert wurde.
Im ersten Konzertteil, der eher der säkularen Musik galt, wurden unter anderem Stücke wie »Alleluja Organum«
vom Meister Perotin (13. Jahrhundert) und »Je muir d'amourette« von dem Minnesänger Adam de la Halle (um 1237 bis 1287) sowie dem Tanz »Bassa castiglia«, ein Instrumentalstück von Gugliemo Hebreo (15. Jahrhundert), auf faszinierende und höchst professionelle Weise dargeboten.
Mit einem weiteren Tanz »Gelosia«, der die Eifersucht darstellt, und dem hoffnungsvollen Klagelied »Amoureux suy« von Gilles Binchois (um 1400 bis 1460) führte das Quartett in den zweiten, weltlichen Teil des Abends.
Francesco Bossinensis' Liebeslied »Dolce amoroso fouco« (um 1470 bis 1540) gilt als erstes gedrucktes Lautenlied.
So ähnlich habe damals der Romeo seiner Julia die Gefühle seiner innigen Liebe übermittelt, versuchte Burga Schall
das Publikum in die gesellige Popularmusik der Renaissance einzuweihen.
Nach 90 Konzertminuten und den finalen, fröhlicheren Tönen von Orlando di Lasso (um 1532 bis 1594), sowie einer letzten Liebeszugabe »Je donne a tous les amoureux« quittierte das Publikum die musikalische Leistung mit anhaltendem Beifall.