
Beim Konzert des Tübinger Ensembles "Les
Bouffons" am Sonntag in der
H o r b e r Liebfrauenkirche hatten eigentlich nur noch historische Kostüme
gefehlt, um den Eindruck eines mittelalterlichen Minnesänger-Auftritts
zu
vervollkommnen. Das Konzert mit Musik des 13. bis 16. Jahrhunderts,
das im Rahmen des 650. Geburtstags der Katholischen Spitalstiftung Horb
veranstaltet wurde, passte wunderbar in das Ambiente der Kappel.
Ekkehard Schulz-Kurz (Laute, Blockflöten und Schlagwerk),
Patrick Tröster (Blockflöten, Pommer, Traversflöte und Krummhorn),
Josef Wagner (Blockflöten, Traverse, Schalmei und Krummhorn) und die
Mezzosopranistin Burga Schall begeisterten nicht nur durch ihr selten gehörtes
Instrumentarium, sondern vor allem durch die enorme Vielfalt ihres Programms:
Liebeslieder, mittelalterliche Tänze, sakrale Werke wie Prozessionslieder,
italienische, lateinische und französische Stücke, das für
Rock-Fans als Intro der Potsdamer Mittelalter-Metaller Subway To Sally bekannte
"Alle, psallite cum luya" oder improvisierte Werke der Renaissance,
die in dieser Zeit den Bekanntheitsgrad von Boygroup-Liedchen batten.
Allerdings brauchte man Zeit, um sich in die Musik von Les Bouffons"
einzuhören; immerhin stammten die Werke dank weniger genau stimmbaren
- meist hölzernen - historischen Instrumenten für moderne, hamoniebedürftige
Ohren nicht gerade aus dem Easy-Listening"-Bereich. Wer sich eingehört
hatte, ließ sich aber schnell begeistern
von den originellen - meist ruhigen, oft aber auch fetzigen - Klängen
der Instrumentalisten und der schönen Stimme von Burga Schall.

Horb. Bereits im vergangenen Jahr waren sie
bei den Horber
Ritterspielen aufgetreten. »Les
Bouffons«, die sich während des
Studiums in Tübingen kennen lernten, setzen sich intensiv mit mittel-
alterlicher Musik auseinander.
Unter dem Titel »Madonna mia pieta...« gaben »Les Bouffons«
am
Sonntag ein außergewöhnliches stimmungsvolles Konzert mit
mittelalterlichen Klängen. Anlass war das 650-jährige Jubiläum
der
Katholischen Spitalstiftung Horb. Mit ungewöhnlich anmutenden
Instrumenten wie die Schalmei, das Krummhorn, die Traverse oder der Pommer
trugen die drei Musiker zu einer ganz besonderen Atmosphäre bei, die
durch die elegante Stimmvariation von Burga Schall noch intensiviert wurde.
Im ersten Konzertteil, der eher der säkularen Musik galt, wurden unter
anderem Stücke wie »Alleluja Organum«
vom Meister Perotin (13. Jahrhundert) und »Je muir d'amourette«
von dem Minnesänger Adam de la Halle (um 1237 bis 1287) sowie dem Tanz
»Bassa castiglia«, ein Instrumentalstück von Gugliemo Hebreo
(15. Jahrhundert), auf faszinierende und höchst professionelle Weise
dargeboten.
Mit einem weiteren Tanz »Gelosia«, der die Eifersucht darstellt,
und dem hoffnungsvollen Klagelied »Amoureux suy« von Gilles
Binchois (um 1400 bis 1460) führte das Quartett in den zweiten, weltlichen
Teil des Abends.
Francesco Bossinensis' Liebeslied »Dolce amoroso fouco« (um
1470 bis 1540) gilt als erstes gedrucktes Lautenlied.
So ähnlich habe damals der Romeo seiner Julia die Gefühle seiner
innigen Liebe übermittelt, versuchte Burga Schall
das Publikum in die gesellige Popularmusik der Renaissance einzuweihen.
Nach 90 Konzertminuten und den finalen, fröhlicheren Tönen von
Orlando di Lasso (um 1532 bis 1594), sowie einer letzten Liebeszugabe »Je
donne a tous les amoureux« quittierte das Publikum die musikalische
Leistung mit anhaltendem Beifall.
